Digitalisierung

Big Data: Airbus hebt den Wissensschatz für die Luftfahrt

Flugzeuge haben schon immer eine Vielzahl von Daten erfasst. In Zeiten von Big Data und immer mehr Sensoren an Bord entwickelt sich daraus ein wahrer Wissensschatz – Airbus tritt an, diesen Schatz für noch mehr Nachhaltigkeit im Luftverkehr zu heben.

Datensatz schnellt in die Höhe

Bei einem Airbus A320-Flug werden aktuell rund 500 Parameter erfasst. Immerhin. Mit einem neuen Analysetool betritt Airbus eine völlig neue Daten-Dimension: Bis zu 24.000 Parameter kann Europas Luftfahrtkonzern auf einem Flug nun erfassen. Pro Flugstunde summieren sich die Daten einer A320 zu zehn Gigabyte. Auf dieser Basis können ganz neue Algorithmen entwickelt werden, etwa für die vorausschauende Instandhaltung: Wenn Flugzeugteile ermüden, soll das so früh wie möglich erkannt werden, um kostspielige Folgeschäden zu vermeiden. Das digitale Feedback zahlt genau darauf ein. Zudem lassen sich Wartungsereignisse deutlich besser planen – die Flugzeuge müssen noch weniger im Hangar stehen und sind länger in der Luft. Und nicht zuletzt lassen sich durch das verbesserte Flottenmanagement Treibstoffverbrauch und damit der CO2-Ausstoß verringern.

Daten teilen

In Zusammenarbeit mit den Kunden speist Airbus die Daten in die digitale Plattform Skywise ein. Hier werden allerdings nicht nur Datenquellen von Airbus, sondern ebenso von Zulieferern, Airlines und Flughäfen integriert. Indem alle Akteure ihr Wissen rund um die Flugzeuge miteinander teilen eröffnen sich faszinierende und gewinnbringende Perspektiven. Möglich werden – auf Basis anonymisierter Daten – auch völlig neue Leistungsvergleiche, beispielsweise zwischen Skywise-nutzenden Fluggesellschaften. Je mehr Daten geteilt werden, desto besser für alle Beteiligten. Airbus wendet bei diesem vernetzten Ansatz natürlich höchste Sicherheitsstandards an.

Der Flugzeughersteller tritt mit Skywise an, seine Big-Data-Vorreiterrolle im Luftverkehr weiter auszubauen. Zahlreiche Airlines nutzen schon heute die sich bietenden Möglichkeiten – und künftig soll Skywise auch bei Hubschraubern und Militärflugzeugen zum Einsatz kommen.

Stand: Feb 2018

Industrie 4.0

Deutsche Luftfahrtindustrie fit für die Zukunft machen

Die Digitalisierung entfacht eine ungeheure Dynamik. Unternehmen wie Google, Amazon und SpaceX bereichern die Luft- und Raumfahrtbranche. Airbus will Treiber dieser Entwicklung für Europa sein.

Potenzial nutzen

Laut einer Studie von Roland Berger birgt die Digitalisierung bis 2025 für die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial in Höhe von 10 Milliarden Euro. Die folgenden vier Kernfelder sollte die Politik flankieren, damit Europa diesen Schub für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze erfolgreich nutzen kann:

  • Standards weltweit mitgestalten: Die Digitalisierung eröffnet die Chance für eine weltweit vernetzte und flexible Industrieproduktion, auch Industrie 4.0 genannt. Voraussetzung dafür sind gemeinsame Standards und Normen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Verbände in aller Welt bringen sich in die Debatte ein. Und Staaten wie die USA und China treiben das Thema erheblich voran. Europas Politik ist dringend gefordert, die Bemühungen der heimischen Industrie zu flankieren – denn wer die Standards mitgestaltet, genießt erhebliche Wettbewerbsvorteile.
  • Vernetzung vorantreiben: Industrie 4.0 lebt davon, dass sich Unternehmen und Wissenschaft über Firmen- und Institutsgrenzen hinweg intensiv austauschen. Das kürzlich in Hamburg eröffnete Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) zeigt, wie Politik gemeinsam mit Industrie und Forschung entsprechende Infrastruktur aufbauen kann. Bis zu 600 Mitarbeiter von Airbus sowie weiteren Konzernen, Mittelständlern, Start-ups, Wissenschaft und Forschung werden dort zusammenarbeiten und Luftfahrt-Innovationen schneller zur Marktreife führen – andere deutsche Regionen können hiervon lernen.
  • LuFo auf Industrie 4.0 ausrichten: Das Luftfahrtforschungsprogramm der Bundesregierung flankiert seit 20 Jahren Forschung und technologische Entwicklung in der deutschen Luft- und Raumfahrt. Diese Förderung sollte künftig noch stärker auf Fragen der Digitalisierung abzielen – davon würde insbesondere der deutsche Mittelstand profitieren.
  • Infrastruktur ausbauen: Der digitale Datentransport steigt exorbitant. Für Industrie 4.0 ist deshalb eine leistungsfähige Breitband-Infrastruktur dringend erforderlich. Bei Tempo und Netzabdeckung liegt Deutschland allerdings nur im Mittelfeld der Industrienationen. Die Bundesregierung hat die Defizite erkannt – das bis 2025 angekündigte Gigabit-Glasfasernetz muss Realität werden.
Die Digitalisierung bietet Europas Industrie erhebliche Perspektiven. Bis 2025 ist ein mögliches Brutto-Wertschöpfungsplus von bis zu 1,25 Billionen Euro prognostiziert – verpasst Europa allerdings die Chancen, droht der Verlust von Marktanteilen und ein Minus von bis zu 605 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung.

Airbus will die Chancen der Digitalisierung entschlossen nutzen. Ihr Engagement im ZAL, ihre weltweite Vorreiterrolle beim 3D-Druck und völlig neue Fertigungskonzepte sind dafür wichtige Bausteine. Die Politik ist gefordert, Deutschland als Industrie-4.0-Standort mit den richtigen Impulsen nachhaltig zu stärken.

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SpaceDataHighway: Highspeed-Kommunikation im Weltall

Airbus Defence and Space hat gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA den SpaceDataHighway entwickelt. Das System kann mithilfe von Lasertechnologie riesige Mengen an Daten etwa von Erdbeobachtungssatelliten zur Erde senden. Übertragungsraten von bis zu 1,8 Gigabit pro Sekunde sind so möglich – fast 20-mal so leistungsstark wie eine schnelle Internetverbindung auf der Erde. Künftig können so aktuelle Informationen wie Satellitenbilder noch rascher übermittelt werden – eine Voraussetzung, um etwa im Krisenfall oder bei Naturkatastrophen schnell Notfallmaßnahmen einzuleiten.

Erster Kunde des SpaceDataHighway-Systems ist die Europäische Kommission, die im Juli 2016 im Rahmen des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zwei Satelliten mit den Laserkommunikationsterminals ausgestattet hat.

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